ENTSTEHUNGSGESCHICHTE Das Großherzogliche Ministerium des Innern zu Hessen-Darmstadt schrieb am 14. September 1897 dem Feuerversicherungsverband Hessischer Lehrer, z. H. des Herrn Lehrers Dern in Nieder-Ohmen:
"Auf die Eingabe vom 9. dieses Monats eröffnen wir Ihnen, daß wir dem Feuerversicherungsverband Hessischer Lehrer in Grünberg die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Großherzogtum nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften, insbesondere der in dem Gesetze vom 25. November 1871 über die Versicherung von Mobiliar in Feuerversicherungsanstalten [...] unter den nachstehenden Bedingungen auf Widerruf ertheilt haben. Wir bemerken hierbei, daß mit dem Geschäftsbetrieb vor Erfüllung der Bedingung 2 begonnen werden darf."
Originalschreiben des Großherzoglichen Ministerium des Innern zu Hessen-Darmstadt vom 14. September 1897
Am 16. Januar 1896 fand in Gießen die von 70 Lehrern besuchte Gründungsversammlung statt. Große Opferbereitschaft zeigten jene 42 Gründungsmitglieder, die den Gründungs- und Sicherheitsfond von 20.000,- Mark in Teilbeträgen von je 500,- Mark aufbrachten. Sichergestellt wurde diese Aktion damals durch die Ausgabe von Garantiescheinen.
Originalbeitrittserklärung aus dem Jahre 1896
Originalgarantiescheine der ersten Mitglieder
ENTWICKLUNG
1902 gab es 86 Bezirke, wobei der kleinste Bezirk, Fränkisch-Crumbach, 1 und der größte, Gießen, 44 Mitglieder zählte.
1904 betrug der niedrigste Schaden 4,- Mark und der höchste 52,50 Mark. Insgesamt wurden in jenem Jahr 191,50 Mark erstattet. Am Jahresende 1916 gab es nur einen Prämienausstand von 1,20 Mark.
Nach der Gründung stieg die Mitgliederzahl rasch an. 1900 zählte der Verband bereits 1.037 Mitglieder, 1918 waren es 2.218 und 1943 wurde mit 3.079 das dritte Tausend überschritten. Wohlgemerkt: Die ersten Zahlen gelten für das alte Hessen-Darmstadt. Bei der Neugliederung unter Hitler war der sogenannte Gau Hessen-Nassau entstanden, bestehend aus dem ehemaligen Großherzogtum Hessen und der preußischen Provinz Hessen-Nassau mit Wiesbaden und Frankfurt. Damals erfolgte auch die Umbenennung in Feuerversicherungsverband Hessischer Erzieher. Nun erhielten Lehrkräfte und Pädagogen aller Schulformen bis hin zu den Hochschullehrern Zugang, ebenso die Erzieherinnen in den Kindergärten und Horten.
Originalpolice
Erst seit 1947 zählt das heutige Hessen mit Kurhessen zum Verbandsgebiet, ebenso die nun zu Rheinland-Pfalz gehörende ehemals hessische Provinz Rheinhessen mit Mainz, Worms und Bingen.
UMBENENNUNG
Während früher die Versicherungen vor allem zum Schutz gegen Feuer abgeschlossen wurden, liegt der Schwerpunkt heute auf der Neuwertversicherung gegen Einbruchdiebstahl, Beraubung, Leitungswasser, Sturm und Glasbruchschäden. Daher wurde der Feuerversicherungsverband Hessischer Erzieher VVaG (FVHE) im Jahre 1999 in Hausratversicherung für Erzieher und Beamte in Hessen (HEB Hessen) umgenannt. Zum 07. Juni 2006 gabe es eine weitere Umbenennung. Mit der Öffnung für alle Beschäftigten des gesamten öffentlichen Dienstes und gleichgestellte Institutionen mit Wohnsitz in Hessen, Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg wurde der Name in HEB - Hausratversicherung für Erzieher und Beschäftigte im öffentlichen Dienst VVaG geändert.
BEITRAGSSTAFFELUNG
Im Jahre 1996 betrugen die Aufwendungen für die Regulierung von Feuerschäden rund DM 150.000,-. Für die Regulierung von Einbruchdiebstählen mußten nahezu DM 346.000,- aufgewendet werden. Für die übrigen Sparten wurden DM 153.000,- aufgewendet. Die Aufwendungen für Feuerschäden betrugen 23%, weniger als ein Viertel der regulierten Schäden. Das zwang unseren Vorstand und Aufsichtsrat dazu, die Beitragshöhe nach dem Grad des Risikos zu staffeln. Die Prämien liegen zur Zeit bei 0,8o/oo bis 1,2o/oo und 1,4 o/oo. Damit wird unser Verein der Absicht der Gründer, die Beiträge so niedrig wie möglich zu halten, in hohem Maße gerecht.
SOZIALE LEISTUNGEN
Zu den sozialen Leistungen gehören auch die mehrfach gewährten beitragsfreien Jahre, die immer wieder zwischengeschaltet wurden, wenn die Risiken durch entsprechende Rücklagen abgedeckt waren.
Es sollten keine Reichtümer angesammelt werden - vielmehr sollte den Mitgliedern die bestmögliche, preiswerte Versicherung angeboten werden. Schon früh hat unser Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit finanzielle Hilfe für soziale Einrichtungen geleistet. Ab 1910 erhielt die Ludwig- und Alice-Stiftung zu Darmstadt Zuwendungen. Sie stiegen von 450,- Mark im Jahre 1911 auf 1.000,- Mark im Jahre 1918. Regelmäßig unterstützt wurde in dieser Zeit auch der Landeslehrerverein, das Lehrerheim und eine Lehrerfürsorgekasse, die 1915 und 1916 jeweils 4.000,- Mark erhielten. In den ersten 25 Jahren seines Bestehens bis 1922 hat der Verband 22.400,- Mark für soziale Zwecke ausgeschüttet.
1922 betrug das Gesamtvermögen des Verbandes 176.495,- Mark. Das Reichsaufsichtsamt erlaubte damals dem Verband, den notleidenden Mitgliedern Darlehen bis zu 500,- Mark zu gewähren. Vielfach geschah dies zinslos. Nach der Inflation wurde die Darlehensgewährung wieder aufgenommen. Landeslehrerverein und die Ludwig- und Alice-Stiftung erhielten jährlich 1.000,- Mark.
1931 wurden an 168 Mitglieder Darlehen vergeben. Nach dem Börsenkrach in den USA (Schwarzer Freitag 1929) wuchs das Heer der Arbeitslosen.
Von April 1945 bis Oktober 1946 ruhte die Verbandsarbeit. Nach dem 8. Mai 1945 lag zunächst alle Verfügungsgewalt bei der Militärregierung der Besatzungsmächte. Sofort nach Wiederaufnahme der Geschäfte drängten der Geschäftsführer Pabst und Julius Reiber, Bürgermeister und Schulrat in Darmstadt auf Freigabe von Geldern des Verbandes. Herr Reiber wurde zunächst Regierungsbeauftragter, ab 1947 dann Aufsichtsratsvorsitzender des Verbandes. An Totalgeschädigte (Ausgebombte) wurde ein freiwilliger Beitrag von jeweils 3% der Versicherungssumme gezahlt. Bewegende Dankschreiben zeigen auf, wie notwendig diese Hilfe damals war. Viele Frauen standen damals allein, weil der Ehemann gefallen oder noch in Gefangenschaft war.
Nach der Währungsreform 1948 verblieben dem Verband nur wenige tausend Mark. Trotzdem wurde mit einem Darlehen von 2.000 Mark die Hessische Lehrerzeitung, das Organ der GEW, aus der Taufe gehoben. Auch Darlehen und Beihilfen wurden noch vergeben.
UMSTRUKTURIERUNG
Das alles war nur bei größter Sparsamkeit möglich. Die Zahl der Bezirke wurde von ursprünglich 86 auf 32 reduziert. So wurden Kosten bei der Vertreterversammlung gespart. Selbst Vorstand und Aufsichtsrat wurden in den letzten Jahren verkleinert.
Im Nachsatz der Einladung zur Generalversammlung am 5. März 1955 in Mainz schreibt Geschäftsführer Pabst:
"Mit Rücksicht auf unsere finanzielle Lage können Sie dieses Jahr nicht als Vertreter teilnehmen. Sie lösen sich mit dem Kollegen [...] ab, von dem Sie über die Versammlung unterrichtet werden."
In einer Einladung von Otto Seltmann heißt es
"[...] wenn Sie ein warmes Mittagessen wünschen, müssen Sie bis zum 25.2. an Marken 5g Fett, 200g Kartoffeln, 50g Brot oder Nährmittel und 50g Fleisch an mich gesandt haben. Kartoffeln können in Natura mitgebracht werden."
Unter diesen Bedingungen mußte damals getagt werden. In der Einladung zur Jahreshauptversammlung 1970 in Mainz heißt es:
"Zehrgeld wird nach Vorlage der Speisekarte bestimmt."
Da wurde wohl kaum das teuerste Gericht gewählt. Am 20.11.1970 wurde das Tagegeld auf 25,- DM festgesetzt.
TREUE
Bemerkenswert ist vor allem auch die Kontinuität und Treue, mit der in unserem Verein gearbeitet wurde. In den verflossenen 100 Jahren ist der Verband durch Persönlichkeiten geführt worden, die meist mehr als ein Jahrzehnt tätig waren, oft bis ins hohe Alter oder gar bis zum Tode. Zu nennen sind vor allem die Vorsitzenden nach dem 2. Weltkrieg:
- Herr Heun (1947 bis 1955)
- Herr Salomon (1955 bis 1967)
- Herr Lösch (1967 bis 1970)
- Herr Lipski (1970 bis 1990)
- Herr Full (1990 bis 2005)
- Herr Turber (seit 2005)
Seit der Gründung des Verbandes, Direktor wurde damals Lehrer Dern in Nieder-Ohmen, waren nur 5 Geschäftsführer tätig:
- Herr Hamburger (von der Gründung 1897 bis zu seinem Tode 1911)
- Herr Thierolf (1911 bis 1943)
- Herr Pabst (1943 bis 1959)
- Herr Ruf (1959 bis 1979)
- Herr Full (1979 bis 2005)
Die Aufsichtsratsvorsitzenden nach dem 2. Weltkrieg waren:
- Herr Reiber (1946 bis 1959)
- Herr Becker (1959 bis 1980)
- Herr Ruf (1980 bis 1983)
- Herr Rhein (1983 bis 1999)
- Herr Merkel (seit 1999)
Quelle: "Festrede zum 100. Geburtstag des FVHE", Heinrich Rhein, 69483 Wald-Michelbach
Alle Angaben ohne Gewähr